Jobs in Australien - Arbeiten Down Under

Erfahrungsberichte/

Als Backpacker quer durch Australien: Ein Nanny-Job, ein Aufenthalt im Krankenhaus und eine Zukunft in Australien!?

Kathrin studiert seit 2005 Biologie an der Universität Frankfurt. Direkt nach ihrem Abitur 2004 nahm sich die heute 22-Jährige eine Auszeit und machte einen Work and Travel Trip durch Australien. Was Kathrin vom 29. September 2004 bis zum 13. April 2005 alles in Down Under erlebt hat und wie sehr sie Australien fasziniert hat, erzählt die 22-jährige Studentin im Interview.

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Work and Travel Trip durch Australien zu machen?

Ich wusste nach dem Abitur noch nicht, was ich machen wollte und habe mich deshalb für eine Auszeit in Australien entschieden. Ich wollte meine beruflichen Zukunftspläne sortieren, mein Englisch verbessern und selbstständiger werden. Außerdem war ich interessiert daran, neue Menschen, eine neue Kultur sowie die Tier- und Pflanzenwelt Australiens kennenzulernen. Ich wollte einfach etwas erleben, bevor ich mich ins Berufs- und Studienleben stürzen würde.

Hast du diesen Australienaufenthalt eigenständig geplant oder dabei die Hilfe einer Organisation in Anspruch genommen?

Work and Travel durch Australien

Ich bin mit der Organisation Step-In in Australien gewesen. Es ist aber nicht unbedingt notwendig, dass man die Hilfe einer Organisation in Anspruch nimmt. Viele Dinge kann man auch alleine organisieren (Jobsuche, Kontoeröffnung etc.). Meinen Eltern war es allerdings lieber, dass ich mit einer Organisation nach Australien gehe. Sie meinten, das wäre sicherer und so wussten sie mich in guten Händen.

Würdest du sagen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis bei solchen Organisationen nicht stimmig ist? Man bezahlt viel Geld für Dinge, die man im Endeffekt auch hätte selbstständig organisieren können!?

Das würde ich nicht sagen. Es ist ja richtig, dass man für solch eine Dienstleistung auch etwas bezahlen muss. Die Organisation kümmert sich ja immerhin um die ersten Nächte im Hotel, eine Reiseleitung beim Zwischenstopp in Singapur, das Abholen vom Flughafen, die Kontoeröffnung, die Jobsuche und Vieles mehr.
Wenn ich allerdings noch mal Work and Travel machen würde, dann würde ich es ohne die Hilfe einer Organisation versuchen (auch wenn ich dann mehr zu erledigen hätte). Leider darf man bis zu seinem 30. Lebensjahr nur einmal einen Work and Travel Trip durch Australien machen.
Wie viel mein Flug, mein Hotel und die anderen Dinge ohne Step-In gekostet hätten, kann ich leider nicht sagen.

Wie hast du deinen Australien-Aufenthalt finanziert?

Teilweise durch das Geld, was ich bei den Backpacker-Jobs verdient habe. Wenn man das Land aber auch genießen will, reicht das wenige Geld leider nicht aus. Ich habe also hauptsächlich gespartes Geld (von meinem Abitur) für diesen Aufenthalt genutzt.

Welche Jobs hast du denn als Backpacker ausgeübt?

Ich hab sehr lange als Nanny bei einer Familie im Outback gearbeitet. Außerdem war ich für ein Aktenumzugsunternehmen tätig und habe in einer Bar gekellnert. Typische Fruit-picking-Jobs hatte ich leider nicht, da ich meist zur falschen Zeit am falschen Ort war. Gegen Ende meines Aufenthalts musste ich dann leider auch noch für zehn Tage ins Krankenhaus.

Warum musstest du ins Krankenhaus?

Ich hatte einen Whitsunday-Island-Segel-Trip gemacht und kam mit einer Blasenentzündung zurück. Als ich meine Nanny-Familie noch einmal besucht habe, würde die Entzündung noch schlimmer und ich musste schließlich ins Krankenhaus. Dort lag ich dann mehrere Tage mit einer Blasen-, Nieren- und Nierenbeckenentzündung. Mein Arzt in Deutschland, der anschließend die Untersuchungsergebnisse sah, meinte, auch in Deutschland hätte ich damit ins Krankenhaus gemusst.

Warst du denn mit der Versorgung im australischen Krankenhaus zufrieden?

Work and Travel durch Australien

Ja! Alle waren unglaublich nett und jeder kannte mich als The German Girl. Eine Ärztin hat mir sogar den zweiten Teil eines Buches ausgeliehen, als sie gesehen hat, dass ich den ersten Teil gerade las und das Buch fast fertig hatte. Ständig haben sie mir das Telefon gebracht, weil meine Eltern, Freunde oder mein Hausarzt aus Deutschland angerufen haben.
Die australischen Ärzte hatten auch die ganze Zeit Kontakt zu meinem deutschen Hausarzt, weil es auf Englisch ja dann doch etwas schwer zu erklären ist, was einem genau fehlt.
Das Geld für den Krankenhaus-Aufenthalt musste ich auch nicht bezahlen, das wurde direkt über die Krankenversicherung abgewickelt.

Die meiste Zeit hast du also als Nanny bei einer Familie gearbeitet. Wie hast du diesen Job bekommen?

Ich habe zunächst an einem Farm-Training teilgenommen, was sowohl von Deutschland, als auch von Australien aus, buchbar ist. Bei diesem war ich fünf Tage mit zwei anderen Teilnehmern auf einer Farm und bekam dort allerhand beigebracht: Traktor fahren, Zäune reparieren, Kühe zusammentreiben und melken und Vieles mehr. Am Ende dieses Trainingsprogramms konnte ich dann angeben, was für einen Job ich gerne machen möchte. Ich wollte gern in eine Familie mit Kindern, was dann ja schließlich auch geklappt hat.
Wenn man das Farmtraining gemacht hat, kann man sich immer wieder an die Organisation wenden und neue Jobs von ihnen erhalten. Das habe ich allerdings nicht genutzt.

Hattest du während deines Work and Travel Trips einen festen Wohnsitz bei deiner Nanny-Familie oder bist du von Hostel zu Hostel gependelt, wie es für Backpacker üblich ist?

Während der zwei Monate, in denen ich als Nanny jobbte, habe ich auch bei der Familie im Haus gewohnt. In der Weihnachtszeit habe ich etwa zwei Wochen in einer Wohngemeinschaft in Sydney gelebt. Ansonsten habe ich noch einige Tage bei dem Cousin meines Vaters in Canberra oder bei anderen Bekannten meiner Eltern gewohnt. Meistens habe ich aber in Hostels (10er, 8er oder 6er Zimmer) geschlafen.

Du bist sehr viel herumgekommen. Was konntest du dir alles ansehen und was hat dich am meisten fasziniert?

Das ist eine schwierige Frage. In New South Wales war ich in Sydney, Katoomba (Blue Mountains), Newcastle, Port Macquarie, Bellingen, Byron Bay und Nimbin. Ich war auch in Canberra. In Queensland war ich in Surfers Paradise, Brisbane, Noosa Heads, Hervey Bay (Fraser Island), Bundaberg, Goondiwindi (bei der Nanny-Familie), Airlie Beach (Whitsundays), Townsville, Cairns, Port Douglas und Mossman (Cape Tribulation). Im Bundesstaat Victoria war ich in Melbourne, Phillip Island und Mornington. Dann habe ich eine Tour von Melbourne nach Adelaide gemacht. Von dort aus ging es dann nach Alice Springs.

Was ich leider gar nicht gesehen habe sind Tasmanien, ein Stück vom Northern Territory und Western Australia.
Am meisten fasziniert hat mich Sydney (eine absolut tolle Stadt), Noosa und das Outback im Allgemeinen. Besonders interessant waren auch die Regenwald-Gebiete, Whitsundays und Fraser Island.
Ich studiere ja Biologie, deshalb war ich selbstverständlich von den National- und Wildlife-Parks und den dort lebenden Tieren besonders beeindruckt. Außerdem war ich Tauchen und habe Skydiving gemacht - das werde ich auch niemals vergessen.

Bist du eigentlich allein durch Australien gereist oder hattest du feste Bezugspersonen, die dich auf deiner Tour begleitet haben?

In der Regel bin ich allein gereist. Ich habe mich aber immer mal wieder irgendwo mit anderen Backpackern getroffen, weil man ja dann auch Kontakt hält, wenn man sich gut versteht und gemeinsam Sachen unternommen hat.
Von Sydney bis Brisbane bin ich zusammen mit einer Freundin, die ich schon aus Deutschland kannte, gereist. Sie hatte zur gleichen Zeit wie ich einen Work and Travel Trip durch Australien gemacht. Aber eigentlich ist man ja nie allein, denn man lernt immer irgendwen kennen.

Hattest du dann unterm Strich auf deinen Touren mehr mit Einheimischen oder doch mehr mit anderen Backpackern zu tun?

Work and Travel durch Australien

Man hat wirklich schon sehr viel mit anderen Backpackern zu tun, da man ja meistens in Hostels übernachtet. Unter den ganzen Backpackern auch mal Australier zu finden, ist schwer. Wenn man aber in einer Wohngemeinschaft oder bei einer Gastfamilie wohnt, kommt man auch mit Australiern in Kontakt.

Welchen Tipp würdest du anderen Backpacker mit auf den Weg geben?

Als Backpacker sollte man nicht zu viel planen und spontan sein, weil sowieso alles anders kommt als man denkt: Der Bus fährt nicht, man trifft neue Leute und ändert dann seine Pläne, es kommt ein Taifun oder die Kamera geht kaputt.
Trotzdem sollte man natürlich wissen, was man gern sehen möchte.
Hilfreich waren für mich vor allem die Reiseführer Lonely Planet Australien und die Bibel der Backpacker. Sie enthielten neben vielen wichtigen Informationen auch Landkarten und Telefonnummern.

Außerdem empfehle ich, dass man sich die No-Worry-Einstellung der Australier aneignet. Es ist auch wichtig, immer den Kontakt mit den Menschen zuhause und den vielen Menschen, die man in Australien trifft zu halten (per SMS, Telefon, Emails oder Blogs).
Man sollte auch nicht schockiert sein: In Australien gibt es unglaublich viele andere deutsche Reisende. Am Anfang findet man das noch toll, aber irgendwann nervt es dann.

Als ich mich von meinen Eltern, meiner Schwester und Freunden verabschiedet habe, ist es mir sehr schwer gefallen. Als mein Aufenthalt aber zu Ende ging und ich dann letztendlich am Flughaben in Sydney stand, habe ich unglaublich viel mehr geweint, als bei meinem Abschied von Deutschland. Ich glaube, dass sagt sehr viel über meine Erfahrungen und Erlebnisse in Australien aus. Ich möchte auch unbedingt wieder dorthin zurück.
Wenn man jedoch in Australien ist und seinen Freunden zuhause erzählt, man will nicht zurück nach Deutschland, trifft man leider nicht auf sehr viel Verständnis. Doch wer einmal diese Erfahrung machen kann, wird diese Gedanken verstehen. Am liebsten würde man alle seine Liebsten (Familie, Freunde etc.) nach Australien holen.

Du hast es ja bereits erwähnt, du möchtest noch einmal nach Australien. Gibt es da schon konkrete Pläne?

Ich habe vor (gemeinsam mit meinem Freund) nächstes Jahr nach Perth zu gehen, um dort ein halbes Jahr zu studieren und zu reisen. Das wird irgendwann im Zeitraum Juli 08 bis April 09 sein.
Außerdem habe ich wirklich vor, später mal ein paar Jahre in Australien zu leben und zu arbeiten. Bei meiner nächsten Reise sind dann aber erstmal Perth, die Westküste, Darwin und Tasmanien dran.

Von Julia von der Heyden, Oktober 2007



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