Maren Brands landete am 6. September 2007 in Sydney. Mit einem Working Holiday Visum reist die 20-Jährige seitdem quer über den australischen Kontinent und verdient sich ihr Taschengeld durch Backpacker-Jobs. Welche Erfahrungen sie mit der Organisation Step In gesammelt hat und welche Stationen noch auf ihrer Reiseroute liegen, bevor es im Juni wieder zurück nach Deutschland geht, erzählt Maren im Interview.
Nach meiner Ankunft in Sydney bin ich nach Childers (in der Nähe von Bundaberg) zum Fruitpicking geflogen! Nach drei Wochen ging es dann mit dem Bus weiter nach Cairns! Nach mehreren Wochen Aufenthalt, einem Besuch von meinem Vater und Promotionarbeit im Shoppingcenter bin ich dann mit dem Bus die Ostküste zurück nach Sydney gefahren! Dabei habe ich auch Mission Beach, Townsville, Airlie Beach, Whitsundays, Noosa, Fraiser Island und Brisbane gesehen. Anfang Januar bin ich dann im Campervan zu den Blue Mountains, nach Canberra, den Snowy Mountains und Melbourne bis hin zur Great Ocean Road gefahren. Von Melbourne ging es dann mit dem Flugzeug wieder nach Sydney und schließlich noch nach Neuseeland.
Eigentlich war es die Idee einer Freundin nach Australien zu gehen. Als ich gemerkt habe, dass ich recht spät mit meinen Bewerbungen dran war, hab ich dann beschlossen mit ihr zu fliegen.
Doch wie das Schicksal so will, hat sie sich dann doch für eine Ausbildung in Deutschland entschieden! Ich war aber schon ganz Feuer und Flamme und wollte meine letzte Chance vor dem Arbeitsleben nutzen und habe schließlich entschieden, allein nach Down Under zu gehen.
Ich habe mich für 2008 als Veranstaltungskauffrau beworben und habe vor meiner Abreise ein Praktikum in einer Firma in Köln gemacht und habe so die Ausbildungsstelle auch sicher.
Ich bin dementsprechend auch sehr glücklich mit meiner Entscheidung. Es ist einfach super, wenn man immer das machen kann, was man gerade möchte und sich nicht an anderen orientieren muss! Man trifft so viele Backpacker, da ist man nie alleine.
Ich habe mich entschieden mit der Organisation Step In nach Australien zu fliegen. Ziemlich schnell habe ich aber schon gemerkt, dass das reine Geldverschwendung war!
Es ist wirklich kein Problem ohne eine Organisation nach Australien zu gehen. Meine Organisation hat mir nicht wirklich weitergeholfen.
Ich weiß gar nicht so genau, was ich erwartet habe. Ich dachte ich würde gut betreut werden und Hilfe bei der Jobsuche bekommen. Die versprochene Hilfe liegt darin, dass ich alle paar Wochen eine Mail bekomme, wo ich Arbeit finden kann! Es hilft mir aber nur wenig, wenn ich in Victoria bin und Jobangebote aus Queensland bekomme.
Das versprochene kostenlose Internet hab ich bis jetzt nur in Sydney gefunden. Pakete und Briefe, die man an die Adresse in Sydney schicken lassen kann sind verloren gegangen und erst nach langer Zeit wieder aufgetaucht.
Meine Steuernummer habe ich auch erst nach zwei Monaten bekommen, obwohl man sie im Internet innerhalb von einem Tag bekommen kann! Die Flüge, die Step In für mich gebucht hat, gehören nicht gerade zu den günstigsten Fluggesellschaften, aber trotzdem war es die billigste Flugklasse.
Step In hat sich lediglich um mein Bankkonto und meine Handynummer gekümmert, was ich aber schließlich auch alleine hinbekommen hätte. Gut war allerdings, dass ich auf dem Flug nach Australien nicht das Gefühl hatte, dass ich alleine bin. Es waren Ansprechpartner im Flugzeug und noch viele andere Work and Travel Teilnehmer.
Ich hatte bisher noch nicht so viel Glück mit den Jobs hier. Mein erster Job war Fruitpicking. Die Bezahlung war ganz gut: Ich habe immer zwischen 18 und 20 AUD verdient!
Ich habe mit Zucchini pflücken angefangen. Das wurde mir aber nach zwei Wochen zu anstrengend. Es war ungefähr 40°C heiß und die Sonne schien den ganzen Tag. Neun Stunden auf einem Feld zu arbeiten, belastet zudem enorm den Rücken.
Danach habe ich dann alte Tomatenwände heruntergerissen, was auch nicht grad leicht war. Das einzige Werkzeug, das wir hatten, waren unsere Hände.
Mein letzter Fruitpicking-Job war dann Tomaten pflanzen! Das war der beste Job von allen. Ich saß auf einem Traktor und setzte die kleinen Pflanzen in die Erde! Das schönste am Fruitpicking ist die Atmosphäre. Da die meisten Fruitpicking-Jobs irgendwo im nirgendwo liegen, hatte ich kaum eine Chance mein Geld auszugeben. Und so verbringt man viele Abende mit anderen Backpackern und einem Bier beim Sonnenuntergang.
Nach den Fruitpicking-Jobs arbeitete ich dann als Promoterin in Cairns! Ich sollte da Austar-Verträge (örtliches PayTV) den Passanten aufschwatzen. Nach einem kurzen Training im Büro (jeden Morgen), stand ich acht Stunden im Einkaufszentrum, musste lächeln und verkaufen. Und natürlich möchte kaum jemand solch einen Vertrag. Das war wirklich kein Job für mich!
Als Bezahlung bekamen wir 50 AUD und Provision. Und da sind wir auch schon bei dem Problem: Nach dem ich zwei Wochen gearbeitet hatte und auf meinem Konto immer noch Ebbe herrschte, habe ich gesagt bekommen, dass ich wegen dem Bond erst nach 60 Tagen bezahlt werden kann! Ich hab dann sofort mit dem Job aufgehört und mein Konto blieb leer.
Für meinen letzten Job war ich dann Kellnern auf einer Yacht in Sydney. Das war ein Traumjob für jeden Backpacker, auch wenn der Chef nicht der Beste war. Das Team war einfach super und in den Pausen konnte ich mir den Bauch mit den Köstlichkeiten der Yacht voll schlagen!
Leider konnte ich nur jeden zweiten oder dritten Tag arbeiten, da die Boote nicht so oft herausgefahren sind. Mit einer Bezahlung von 20 AUD pro Stunde konnte ich komplett zufrieden sein. Die Arbeit war auch sehr einfach.
Normalerweise ist es üblich sich mit einem Lebenslauf zu bewerben. Bis jetzt war das aber für meine Jobs noch nicht nötig. Für den Promotion-Job und den Gastronomie-Job auf dem Boot wurde ich angesprochen, ob ich gerade Arbeit suche und an diesem Job interessiert wäre.
Um einen Job als Erntehelfer zu finden, habe ich viele Farmen angerufen und einfach nachgefragt. Das hat ja zum Glück auch einfach geklappt.
Ansonsten gibt es aber in allen Hostels Schwarze Bretter, an denen viele Jobangebote aushängen.
Die sprachliche Umstellung war gar nicht so schwer. Natürlich war ich am Anfang noch etwas unsicher und habe mich immer nach Deutschen umgesehen, die mir weiterhelfen können! Eigentlich war das aber gar nicht nötig, da die Australier sehr hilfsbereit sind und sich sehr viel Mühe mit Ausländern geben.
Inzwischen fühle ich mich komplett wohl, wenn ich Englisch spreche und freue mich, dass ich schon so viel gelernt habe! Wenn ich längere Zeit kein Deutsch mehr gesprochen habe, fällt mir Englisch sogar leichter.
In den großen Städten sprechen die Australier eigentlich kaum mit Slang. Außerhalb, auf den Farmen, kann es aber dann manchmal schon schwierig sein, die Australier zu verstehen. Je länger man sich allerdings mit Ihnen unterhält, desto schneller gewöhnt man sich an den Slang.
Ich werde diese Woche von Neuseeland zurück nach Sydney fliegen und dort meine Schwester treffen. Dann werden wir wahrscheinlich zusammen nach Alice Springs und wieder zurück nach Sydney reisen.
Ich würde auch gerne noch einen Surfkurs in Byron Bay machen und noch die Westküste bereisen. Ich mache aber jetzt noch keine allzu festen Pläne, da am Ende sowieso alles anders kommt. Manchmal trifft man Leute, denen man sich anschließt oder man möchte ganz schnell an einen tollen Ort, von dem andere Backpacker erzählen. Ich werde also weiterhin alles spontan entscheiden.
Auf jeden Fall würde ich anderen Teilnehmern raten ihren Trip ohne Organisation zu planen. Hier in Australien ist alles so einfach. Die Australier sind außerdem sehr verständnisvoll und helfen einem gerne weiter.
Für mich ist dieses Jahr in Australien sehr wichtig! Ich habe das Gefühl, dass es mich menschlich weitergebracht hat.
Ich habe nicht nur viel über andere Länder und Kulturen gelernt, sondern auch über mich selber. Ich weiß nun, was ich möchte und was ich von meinem Leben erwarte. Wenn man so lange von zuhause weg ist, wird einem klar, wo man hingehört.
Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe und so viel tolle Erfahrungen machen konnte und wahrscheinlich noch machen werde. Außerdem habe ich viele tolle Menschen kennen gelernt.
Ich würde gerne noch mal nach Australien kommen. Dafür werde ich aber erst noch Geld sparen müssen. Außerdem gibt es ja auch noch viele andere interessante Länder auf der Welt, die ich entdecken möchte.
Ich denke, wenn ich den Rest der Welt gesehen habe, werde ich wieder nach Australien kommen.
Auswandern? Ja und Nein! Auf der einen Seite liebe ich die Mentalität und das Wetter in Australien. Auf der anderen Seite kann ich mir nicht vorstellen, ohne meine Familie und Freunde zu leben. Ein Jahr ohne sie ist schon sehr schlimm. Wenn ich aber alle mitnehmen könnte, würde ich auswandern.
Von Julia von der Heyden, März 2008