Jobs in Australien - Arbeiten Down Under

Erfahrungsberichte/

Bananen und Tomaten ernten, Zitronen sammeln und Maisblüten entfernen - Fruitpicking für ein zweites Working Holiday Visum

Doris Pechan ist seit August 2007 in Australien. Ihr Work and Travel Trip startete in Cairns und ging die gesamte Ostküste entlang. Derzeit arbeitet Doris in Orbost (Victoria) als Erntehelferin auf einem Maisfeld. Hier will die gelernte Ergotherapeutin das Geld für ihre nächste Reiseetappe verdienen.

Warum hast du Deutschland für eine gewisse Zeit den Rücken zugekehrt?

Working Holiday in Down Under Dafür gibt es mehrere Gründe! Mein Job in Deutschland - Ergotherapeutin in einer Praxis - war nur eine Schwangerschaftsvertretung (begrenzt auf zwei Jahre) und somit lief der Vertrag dann aus. Leider habe ich nicht nur positive Erfahrungen mit dieser ersten Arbeitsstelle gemacht. Ich war dementsprechend nicht gerade motiviert, mich gleich wieder mit vielen anderen Bewerbern um den nächsten Job zu streiten.

Außerdem hat mich in den letzten Jahren der deutsche Alltag eingeholt. Mein Tag bestand immer nur aus Arbeit, Essen und Schlafen. Ich hatte irgendwann das Gefühl, mich selbst in diesem Trott zu verlieren. Ich dachte, da muss es doch noch mehr im Leben geben.

Du bist jetzt mit einem Working Holiday Visum in Down Under. Welche Jobs hast du denn schon ausgeübt?

Im Allgemeinen arbeiten Backpacker als Fruitpicker, denn da werden immer fleißige Hände gebraucht und wer das mindestens drei Monate durchhält, kann dann sogar ein zweites Working Holiday Visum beantragen.

Ich habe schon circa drei Monate Erfahrung auf verschiedenen Farmen gesammelt. Zuerst half ich der Banane von der Staude in die Kiste und danach habe ich meinen Kangaroobeutel mit Zitronen gefüllt. Im Anschluss daran habe ich noch fast grüne Tomaten geerntet und im Moment laufe ich stundenlang durch Maisfelder, um deren Blüten zu entfernen. Ob ich mich mit diesen Erfahrungen in Deutschland bewerben kann? Ich glaube nicht!

Wir haben schon viel Negatives über Fruitpicking-Jobs gehört. Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Working Holiday in Down Under

Ich weiß, dass alle Arbeiten dieser Art körperlich sehr anstrengend sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Arbeiten in einer Verpackungshalle, wo man oft die ganze Zeit am Fliessband steht, genauso anstrengend wie die Arbeit auf einer Plantage ist. Da wir jedoch auf dem Feld arbeiten, ohne ein Dach über dem Kopf, haben wir zudem noch mit dem Wetter zu kämpfen. Mitunter ist es doch sehr heiß, was für uns Mitteleuropäer doch sehr ungewohnt ist. Es kann aber auch sehr stark regnen, so dass man sich durch Schlamm kämpfen muss.

Ich habe leider auch schon sehr schlechte Erfahrungen mit diesem Job gemacht. Es kann vorkommen, dass der Chef einer Farm die Backpacker nur als billige Arbeitskräfte ansieht - so wurden wir schlechter behandelt als die einheimischen Arbeiter.
Für diesen Job darf man definitiv nicht zu labil sein. Ich habe bei diesen Jobs aber auch immer eine ganze Menge über mich selbst gelernt: Wie lange halte ich durch? Was bin ich bereit für meine Bezahlung zu tun?

Hast du diesen Australien-Aufenthalt eigenständig geplant?

Jeder hat zwei Möglichkeiten, wenn er nach Australien will. Zum einen kann man sich von einer Organisation helfen lassen, die aber für ihre Arbeit auch bezahlt werden möchte. Aus finanziellen Gründen habe ich mich dann für die zweite Variante entschieden und alles eigenständig organisiert. Bei dieser Variante sparen Backpacker nicht nur viel Geld, sondern lernen auch wirklich viel dazu.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt hast du dein Geld mit Fruitpicking-Jobs verdient. Möchtest du auch noch einmal in einem ganz anderen Arbeitbereich arbeiten?

Work and Travel in Down Under Ich habe jetzt zwei Monate auf dem Maisfeld gearbeitet und hoffe natürlich, dass ich mit dem Ersparten ein ganzes Stück weiterreisen kann. Ein Jahr klingt lang - ist es aber überhaupt nicht. Ich bin momentan gar nicht so sicher, ob ich in der verbleibenden Zeit noch einmal zum Arbeiten komme. Ich würde mich gern mal in der Gastronomie probieren, aber für nur wenige Wochen wird man da kaum einen Job finden. Kellner sollen ja in der Regel immer zwei oder drei Monate im Restaurant bleiben.

Welche Stationen stehen denn noch auf deinem Reiseplan?

Plan ist gut! Mein Ziel ist es, einmal um den Kontinent und einmal in die Mitte des Landes (Ayers Rock) zu kommen. Das liebe ich so an Australien: Hier kann ich spontan sein, denn niemand weiß, was als nächstes kommt.

Wo übernachtest du auf deinen Reisen?

In der Regel übernachte ich auf Zeltplätzen. Dies ist aber nur möglich, wenn man mit dem Auto unterwegs ist, denn zum Campen benötigt man doch eine Menge Equipment.
Im Moment haben wir das Glück, in einem Caravan wohnen zu dürfen. Darüber bin ich wirklich sehr froh, da es momentan sehr kalt ist. Bleibt das Wetter so, werden wir wohl doch etwas mehr Geld investieren müssen und in Hostels gehen.

Bist du in der Regel allein unterwegs oder reist du gemeinsam mit anderen Backpackern?

Ich bin allein in dieses Jahr gestartet, habe aber schon nach drei Wochen zwei Mädels mit einem Auto kennen gelernt. Da sie noch einen Platz frei hatten, konnte ich die letzten sechs Monate sehr bequem reisen.
Doch nach so langer Zeit, immer mit den gleichen Menschen, kann es doch schon mal zu Streitigkeiten kommen. Da wir also nicht mehr so gut miteinander harmonierten, entschieden wir uns dafür getrennt weiter zu reisen. Ich nutze nun die Gelegenheit, als nicht motorisierter Backpacker weiter zu reisen. Es wird sicher eine große Umstellung für mich, aber sicher auch sehr spannend, es mal auf die andere Weise zu probieren.

Australien ist besonders unter deutschen Rucksacktouristen sehr beliebt. Empfindest du es als störend, wenn du in Australien auf viele andere deutsche Backpacker triffst?

Störend ist das falsche Wort. Es ist schon auffällig, dass hier die Hälfte der Reisenden Deutsche sind. Ich tausche mich auch mit ihnen aus, doch Menschen aus anderen Ländern sind dann doch interessanter und man kann Englisch mit ihnen reden.

Welche Tipps würdest du anderen Backpackern mit auf den Weg geben?

Es ist schwierig Tipps zu geben, denn jeder reist ja anders. Ich kann nur sagen, dass Backpacker immer offen sein sollten. Niemand braucht Angst haben, denn es findet sich immer ein Weg. Es lohnt sich auch nicht alles bis ins Detail zu planen, denn es kommt wirklich immer anders als man denkt.

Du hast bereits drei Monate lang Fruitpicking-Jobs ausgeübt. Möchtest du, wenn dein Working Holiday Visum im August ausläuft, noch ein Jahr in Australien dranhängen?

Work and Travel in Australien Der Plan ist, dass ich im August wieder nach Deutschland gehe, um mich dort wieder als Ergotherapeutin zu bewerben. Doch ich mache mir da nicht allzu große Hoffnungen. Darum ist es sinnvoll einen zweiten Plan zu haben.
Ergibt sich also in Deutschland nichts für mich, habe ich natürlich besseres zu tun, als mich in die Schlange vorm Arbeitsamt zu stellen. In diesem Fall würde ich dann das zweite Working Holiday Visum beantragen und ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten zurückkehren.

Könntest du dir auch vorstellen in Australien als Ergotherapeutin zu arbeiten?

Ich habe mich natürlich schon mit diesem Gedanken beschäftigt. Doch mein Zertifikat gilt leider nur für Deutschland. Ich habe mich noch nicht erkundigt, ob ich vielleicht eine Art Weiterbildung machen kann, um auch im Ausland arbeiten zu dürfen.
Ich weiß allerdings, dass ich hier in Australien auf jeden Fall mehr verdienen würde als in Deutschland. Wenn das kein Anreiz ist! Ob ich hier wirklich leben will, darüber bin ich mir noch nicht sicher, da die Mentalität hier doch ganz anders ist.

Von Julia von der Heyden, März 2008



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