Alexandra Dezutter hat in Deutschland eine Ausbildung als Industriekauffrau mit internationalem Wirtschaftsmanagement gemacht und im Anschluss daran bei Schiesser als Junior-Produktmanagerin gearbeitet. Im Juli 2006 entschied Alexandra für mehrere Monate einen Work and Travel Trip durch Australien zu machen. Da sie sich während dieser Reise in einen Australier verliebt und großen Gefallen am australischen Lifestyle gefunden hat, arbeitete Alexandra drei Monate als Erntehelferin, um sich so ihr zweites Working Holiday Visum zu sichern. Und auch wenn im Juli 2008 das Visum seine Gültigkeit verliert, ist für Alexandra eine Rückkehr nach Deutschland undenkbar.
Ich hatte in Deutschland einen guten Job, ein Auto und eine schöne Wohnung. Ich war eigentlich glücklich, aber doch nicht zufrieden. Da meine beste Freundin zu diesem Zeitpunkt in Australien war und mir immer davon vorgeschwärmt hat, habe ich mich entschieden, auch nach Down Under zu kommen. Ich war dann zwar nur noch zwei Monate mit ihr zusammen unterwegs, aber meine Entscheidung bereue ich trotzdem nicht. Und da es leicht ist, hier einen Job zu finden, bin ich immer gereist und habe gearbeitet.
Ich habe bereits in einem Casino-Restaurant und anderen Restaurants sowie Hotels gekellnert und als Zimmermädchen in einem Hotel gejobbt. Um mein zweites Working Holiday Visum zu bekommen, habe ich dann noch drei Monate Fruitpicking gemacht.
Momentan arbeite ich am Flughafen in einem Coffee-Shop.
Ich empfehle jedem, sich vorab einen vernünftigen Lebenslauf anzulegen. Da man anfangs ja noch nicht so viele Erfahrungen hat, besteht der CV zum Teil auch aus Lügen. Ich habe meinen Lebenslauf dann kopiert und bin damit in die Stadt gegangen. Ich habe einfach alle Restaurants abgeklappert und gefragt, ob sie Aushilfen brauchen.
Die Bezahlung für die Jobs war nicht schlecht. Ich hatte immer Glück und habe zwischen 16 und 23 Dollar die Stunde verdient. Nur Fruitpicking wird nicht so gut bezahlt. Da habe ich nur 15.75 Dollar pro Stunde bekommen. Obwohl ich dabei noch eine der Glücklichen war, die stündlich bezahlt wurde.
Eigentlich dachte ich mein Englisch wäre gut als ich nach Australien gekommen bin, aber dann hatte ich anfangs doch Probleme mit den verschiedenen Akzenten. Außerdem nuscheln die Australier ganz schön und das größte Problem ist einfach die Umgangssprache! So etwas lernt man nicht in der Schule und die Wörter erst recht nicht. Anfangs hab ich dann einfach viel gelächelt.
Da ich mit meiner Mama immer am Telefon über meine Gefühle und Gedanken gesprochen habe und alle wussten, dass ich Fruitpicking nicht aus Spaß an der Freude mache, war ihnen schon früh klar, dass ich wohl länger in Down Under bleiben werde. Sie alle haben mich bei meiner Entscheidung unterstützt, obwohl es für meinen Vater nicht so leicht war! Aber so lange ich glücklich bin, ist es meine Familie auch.
Meine Mutter hat mich vier Wochen in Australien besucht und sie wissen, dass ich mich gerade darum bemühe, meinen Aufenthalt zu verlängern. Es ist natürlich hart für meine Familie, aber sie wollen auch nicht, dass ich nach Deutschland zurückkomme und unglücklich bin. Ich weiß, dass es für meine Eltern sehr schwer ist. Für mich ist es dementsprechend auch nicht einfach, aber trotzdem fühle ich mich hier einfach sehr wohl in Australien!
Es ist zum Glück ganz einfach Kontakt zu halten. Ich hab eine Telefonkarte für 20 Dollar, damit kann ich 24 Stunden nach Hause telefonieren. So telefoniere ich mindestens einmal die Woche für mindestens eine Stunde mit meiner Mama und mit meinen besten Freunden.
Wenn sie mich anrufen wollen, ist es auch nicht sehr teuer. Mit einer bestimmten Vorwahl bezahlen sie zehn Cent pro Minute für einen Anruf auf mein Handy.
Ich wohne momentan zusammen mit meinem Freund in einem Appartement in Cairns.
Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Ich liebe auf jeden Fall das Wetter und den Lifestyle der Australier. Hier ist alles locker und lässig. Die Menschen sind hier sehr offen und freundlich - gleich, ob im Supermarkt oder an der Tankstelle.
Als meine Freundin und ich im Outback unterwegs waren und das Auto von unserer Mitfahrgelegenheit kaputt ging, hat uns ein älteres Ehepaar einfach in das nächste Dorf, das 500 Kilometer entfernt war, mitgenommen. Ein anderer Mann nahm uns dann noch mal 400 Kilometer in die nächste Stadt mit. Die Australier sind wirklich ganz selbstverständlich hilfsbereit.
Das ist sehr schwer zu sagen, aber ich hab so gut wie alles gesehen - außer Tasmanien und Adelaide. Also ich kann nur von mir sprechen, ich liebe Melbourne, Brisbane und Cairns. Doch sogar die kleine Outback-Stadt Kununurra in Western Australia ist mir ans Herz gewachsen, da ich dort drei Monate verbracht habe!
Die Westküste ist atemberaubend und sehr schön, an der Ostküste hat mich Whitsunday Islands ganz besonders beeindruckt.
Welche Sehenswürdigkeiten die besten sind, kann ich gar nicht sagen. Es ist immer ein tolles Gefühl eine Sehenswürdigkeit wie Opera House oder Harbour Bridge zu sehen! Aber wirklich beeindruckend ist Ayers Rock und das gesamte Outback. Als ich um den Ayers Rock gewandert bin, hatte ich ein solch intensives Gefühl, dass ich nicht mal annähernd beschreiben kann!
Wir waren bereits bei einem Migration-Agent. Wenn wir nachweisen können, dass wir zwölf Monate oder länger zusammen sind, dann kann ich eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Wenn ich diese habe, möchte ich mir einen anderen Job suchen. Entweder würde ich gerne im Büro oder an einer Rezeption arbeiten.
Ich denke nicht, dass es ein Problem sein wird, einen richtigen Job zu finden. Ich werde es einfach ausprobieren und wenn es mir nicht gefällt, kündige ich und suche mir etwas anderes. Hier in Australien gibt es keine Kündigungsfristen wie in Deutschland. Alles ist ein bisschen leichter!
In Deutschland für immer leben? Nein! Vielleicht werde ich noch einmal für ein oder zwei Jahre in Deutschland leben, aber dann würde ich doch gerne wieder in ein englischsprachiges Land (in Europa).
Von Julia von der Heyden, März 2008