Susan studiert seit 2005 Soziale Arbeit an der evangelischen Fachhochschule in Nürnberg. Von April 2007 bis September 2007 ist die 21-Jährige in Australien und absolviert dort ihr Praxissemester in einem Altenpflegeheim.
Das Sammeln praktischer Erfahrungen im Studium ist Pflicht; diese Erfahrungen müssen allerdings nicht im Ausland gesammelt werden. Susan hat sich dennoch für ein Auslandspraktikum in Australien entschieden. „Ich wollte schon immer nach Australien, das ist mein absolutes Traumland.“ Außerdem ist die 21-Jährige großer Fan von Koalabären und die, so weiß Susan, „sieht man fast nur in Down Under.“
Praktikumsplätze in Australien sind rar, die Nachfrage aber, ist enorm groß. Susan ist durch eine Kommilitonin auf das deutsche Altenpflegeheim in Sydney aufmerksam geworden. „Eine Mitstudentin von mir hat in dem Altenpflegeheim ein Praktikum absolviert und mir dann die Kontaktadresse gegeben.“ Daraufhin hat Susan der Chefin des Pflegeheims eine Anfrage per E-Mail geschickt und „so kam schließlich der Kontakt zu Stande.“ Nachdem die Sozialpädagogik-Studentin der Chefin ihren Lebenslauf und ihre Referenzen zugeschickt hatte, wurde auch schon der Praktikumszeitraum vereinbart. „Ein Vorstellungsgespräch oder ein Telefoninterview, wie man es aus Deutschland kennt, gab es nicht.“
“Ich habe diesen Auslandsaufenthalt schließlich allein organisiert und nicht die Hilfe einer Organisation in Anspruch genommen.“ Und so hat Susan sich allein um das Visum, die Versicherung, den Flug und um ein Konto sowie eine Kreditkarte gekümmert. „Ich habe ein Occupational Trainee Visum beantragt, das ist ein Studentenvisum für Praktikanten. Das Working Holiday Visum wollte ich mir noch aufheben, dieses bekommt man nämlich leider nur einmalig ausgestellt. Zu organisieren hatte ich zudem einen gültigen Pass, medizinische Gutachten im Wert von 200 Euro und ich musste zuerst von meiner Chefin in Australien angeworben werden, bevor ich mich mit einer Zusage des australischen Gouvernements in Berlin um ein Visum bewerben konnte. Was für eine aufwendige Prozedur.“
Im Altenpflegeheim ist Susan vor allem im Betreuungsbereich tätig. Sie gestaltet Gruppenaktivitäten, wie Singen oder Gymnastik, mit. Außerdem ist sie viel in der Einzeltherapie tätig. „Ich gehe dann mit den älteren Leuten spazieren, lese ihnen etwas vor oder führe Gespräche mit ihnen.“
Vergütet wird Susans Praktikum mit umgerechnet 200 Euro im Monat. „Das ist nicht gerade viel Geld, wenn man sich viel ansehen möchte.“ Finanzielle Unterstützung bekommt die junge Studentin von ihren Eltern. Und auch an ihre eigenen Ersparnisse muss Susan heran. Das Altenpflegeheim hat der 21-Jährigen allerdings eine Wohnung auf dem Gelände des Pflegeheims zur Verfügung gestellt. Dort wohnt sie in einer Zwei-Personen-WG, die extra für Volontäre des Pflegeheims ist. „Die Wohnung ist mehr praktisch als schön eingerichtet, aber es fehlt mir an nichts. Hier gibt es Waschmaschinen, ich habe eine riesige Küche, einen Ofen, einen Herd, Fernseher und ein großes Bad.“
“Viele der Angestellten im Pflegeheim sind Australier oder Asiaten. Die Bewohner des Altenheims sind größtenteils Deutsche, darum gibt es auch viele deutsche Angestellte.“
Zur Arbeitsphilosophie der Australier hat Susan ihre ganz eigene Meinung: „Soweit ich das beurteilen kann, sind die Menschen hier viel lockerer als in Deutschland, zum Beispiel wenn es um Pünktlichkeit geht. Das hat aber auch Nachteile: Ich finde diese lockere Art nur bedingt gut. Viele sitzen nur herum und machen das Nötigste und man selbst ackert und ackert. Am Ende ist man dann doch nur der blöde Praktikant.“
In dem deutschen Altenpflegeheim sind auch sehr viele deutsche Mitarbeiter, so dass Susan nicht wirklich viele Unterschiede in der Arbeitsphilosophie zwischen Australiern und Deutschen entdecken kann. „Ich glaube allerdings, die Australier sind nicht so fleißig, wie wir Deutschen.“
Als die Sozialpädagogik-Studentin aus dem Flugzeug stieg, war sie zunächst ziemlich „platt“: „Der Flug ging von Frankfurt über Dubai nach Bangkok. In Dubai musste ich umsteigen, in Bangkok war nur Stopover. Während des Fluges konnte ich fast gar nicht schlafen.“ Für Hin- und Rückflug bezahlte die junge Studentin rund 1000 Euro.
In Australien angekommen, wurde Susan vom Flughafen abgeholt und fuhr gleich durch die Innenstadt Sydneys. „Da war ich wirklich überrascht und sprachlos; langsam realisierte ich dann, dass ich in Australien angekommen bin.“
Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat Susan schon viel in und um Sydney gesehen: Opera House, die Innenstadt, die Blue Mountains, den Royal National Park, verschiedene Strände. „Mit einer Freundin war ich außerdem auf den Fiji-Inseln.“
“In Australien sieht man überall Backpacker. Überall in der Stadt höre ich Deutsche. Es gibt sehr viele Auswanderer und Touristen hier.“
Mit der sprachlichen Herausforderung hatte Susan keinerlei Probleme. „Zwar gibt es immer ein paar Wörter, die ich auf Anhieb nicht verstehe, aber allgemein bin ich im Kommunizieren schon viel sicherer geworden.“
Susans Praktikum geht noch bis Ende August. Im September will sie dann noch die Ostküste entlang reisen. „Erstmal will ich aber mein Praktikum erfolgreich abschließen.“
Was Susan sich in ihrem letzten Monat noch alles ansehen will? „Ich werde nach Queensland reisen - Brisbane, Fraser Island, Whitsundays, Cairns und zum Great Barrier Reef. Außerdem hoffe ich, dass ich noch irgendwie ins Ouback, ins Red Centre, komme. Am Ende meiner Reise möchte ich dann nach Melbourne; dort geht mein Flieger nach Deutschland. Das wird eine sehr große Aktion."
An Deutschland mag die 21-Jährige gerade nicht denken: „Es ist so schön in Australien, ich will gerade überhaupt nicht heim."
Susan will nach ihrem Praktikum auf jeden Fall noch einmal nach Australien. „Entweder ich mache meinen Master in Down Under oder ich absolviere hier ein Volontariat in einem Koalahospital."
Von Julia von der Heyden, August 2007