Von Januar bis Juni 2006 war Maike (27) als Demi-Pair in Brisbane, Australien. Vormittags besuchte sie die Sprachschule in Brisbane und am Nachmittag beschäftigte sie die Kinder ihrer Gastfamilie.
Im Anschluss an ihren Demi-Pair-Job reiste Maike acht Wochen quer durch den australischen Kontinent.
Im Interview erzählt die 27-Jährige Berlinerin, warum sie sich für einen Demi-Pair-Aufenthalt entschieden hat und wie sehr sie diese Zeit in Australien prägte.
Ferne Länder reizen mich sehr. Ich dachte mir, nach England oder Amerika kommt man eher mal hin, als nach Australien.
Ich wollte auf jeden Fall mein Englisch verbessern. In meinem Job (Bereich TV und Kino) ist es sehr schwer im Ausland einen Praktikumsplatz zu bekommen und somit war die Alternative als Au-pair oder Demi-Pair zu arbeiten ideal. Ich beschäftige mich gern mit Kindern. Und da man bei einer Gastfamilie untergebracht wird, braucht man keine Miete für eine Wohnung zu bezahlen.
Das Besondere am Demi-pair-Aufenthalt ist, dass man nur einen halben Tag für die Familie arbeitet und den Rest des Tages für sich hat.
Es sind eigentlich die gleichen Aufgaben, die ein Au-Pair zu erledigen hat: Ich habe die Kinder von der Schule abgeholt, mittags und manchmal auch abends Essen gekocht und sie am Nachmittag beschäftigt. Ich habe dann mit den Kleinen gespielt, gebastelt, gemalt oder mit ihnen Zeit zusammen vorm TV verbracht. Ohne Fernseher läuft nämlich in Australien gar nichts.
Die ersten sechs Wochen bin ich ja selber zur Sprachschule gegangen. Das hat mir allerdings nicht viel gebracht.
Wenn keine Schule war, bin ich morgens durch die Stadt gebummelt, war shoppen oder habe Freunde (aus der Schule) getroffen. Manchmal habe ich auch etwas mit meinen Nachbarn unternommen. Natürlich habe ich auch mal geputzt oder gefaulenzt (lesen, Briefe schreiben etc.) - eben alles was dazu gehört.
Das ist eine schwierige Frage. Eigentlich ähnelt das australische Familienleben stark dem deutschen.
Meine Gasteltern waren Ärzte; also lebte ich dort in einer etwas höheren Schicht, wenn man das so sagen möchte. Es wurde gemeinsam gefrühstückt, die Eltern gingen zur Arbeit und brachten vorher ihre Kinder zur Schule. Abends kamen sie heim, wir haben dann zusammen gegessen und dann gab es noch eine Gute-Nacht-Geschichte für die Kinder. Oder die Kinder durften uns Erwachsenen etwas vorspielen (Rollenspiele): Der Junge war dabei immer der Held und das Mädchen immer die Prinzessin. Diese Schauspiele gehörten zu den Highlights in meiner Demi-Pair-Zeit.
Und wie ich es bereits erwähnt habe: Der Fernseher ist die wichtigste Freizeitbeschäftigung in Australien. Er läuft fast den ganzen Tag und eigentlich in allen Familien, die ich dort kennengelernt habe.
Die Kinder stehen auf und machen den Fernseher an - mittags, nachmittags, immer. Teilweise ist das etwas frustrierend, denn statt zu spielen, wollten die Kids oft lieber Fernseh gucken.
Aber so etwas gibt es ja in Deutschland auch.
Ich war zuvor noch nie für eine längere Zeit im Ausland. Ich hatte zum Glück ein halbes Jahr lang eine Arbeit als Schnittassistentin und hatte somit ganz gut Geld verdient. Viel organisiert habe ich eigentlich nicht. Ich habe meine Bewerbung an Experiment geschrieben und dann habe ich mit deren Hilfe ein Visum beantragt. Ich hatte mich im Oktober dazu entschlossen nach Australien zu gehen und bin im Januar schon geflogen.
Eigentlich wollte ich mit der Organisation Step In ins Ausland gehen. Diese kannte ich von einer Freundin.
Ich bin dann aber mal zu einer Informationsveranstaltung in der Schule gegangen, die sich an junge Leute richtet, die nach der Schule ins Ausland wollen (Au-Pair, FSJ, Praktikum etc.). Da ich wusste, dass ich als Au-Pair (bzw. Demi-Pair) arbeiten wollte, habe ich mir einiges an Infomaterial zusammengesammelt und mich an den einzelnen Ständen informiert. Zu Hause habe ich mir die besten Möglichkeiten ausgesucht und diese in einer Liste verglichen - positive wie negative Aspekte. Entscheidend waren vor allem der Zielort und der Preis.
Der Katalog von Experiment e.V. war nicht voll mit bunten Bildern, sondern sah wirklich realistisch aus. Außerdem waren die Angebote um einiges günstiger. Meinen Flug durfte ich mir auch allein suchen. Dabei kann man, wenn man Glück hat, schon einige hundert Euro sparen.
Nein, während meiner Reise habe ich nicht gejobbt. Ich hatte mir bei meiner Gastfamilie etwas Geld durch Putzen dazu verdient. Dadurch hatte ich während den drei Monaten als Demi Pair kaum Ausgaben und so konnte ich es mir leisten, zwei Monate einfach nur zu reisen. Hätte ich dabei noch jobben müssen, wäre diese Zeit (die zwei Monate) viel zu kurz gewesen.
Ich bin die ersten drei Wochen mit meinem Freund, der aus Berlin kam, gereist. Die letzten Wochen war ich dann allein unterwegs.
Hauptsächlich habe ich den Bus als Transportmittel benutzt. Da gibt es von Greyhound einen Spezialpreis für bestimmte Kilometer, die man vor hat zurückzulegen. Die gewünschte Reiseroute muss man sich also vorher sehr gut überlegen, denn sonst wird es sehr teuer. Eine einzige Strecke bin ich sogar geflogen: Von Melbourne nach Alice Springs (ins Outback).
Übernachtet habe ich immer in Backpacker-Hostels, entweder in Zwei-Bett- oder in Mehrbettzimmern.
Besonders fasziniert war ich von Fraser Island und Sydney. Und auch das Tauchen im Great Barrier Reef gehörte zu meinen Highlights.
Es war einfach schön, immer wieder auf neue Leute (Touristen sowie Australier) zu treffen. Es ist fantastisch, nicht zu wissen, was einem am anderen Morgen erwartet.
Meine Englisch-Kenntnisse waren vor meiner Reise in Ordnung, zwar nicht immer korrekt und fließend, aber ausreichend. Richtige sprachliche Barrieren gab es eigentlich nicht. Obwohl ich die Kinder in meiner Gastfamilie am Anfang nicht immer verstanden habe.
Mein Englisch hätte viel besser werden können, wäre ich nicht auf meiner Reise mit so vielen deutschen Personen zusammen gewesen. Im Nachhinein ärgert mich das wirklich.
Ich würde Jedem empfehlen sechs Monate am Stück nur Englisch zu sprechen. Drei Monate sind einfach zu kurz. Mein Englisch ist aber auf jeden Fall besser geworden, allein weil ich jetzt einfach keine Hemmungen mehr beim Sprechen habe.
Vermisst habe ich deutsches Brot und sonst absolut gar nichts!
Auf jeden Fall sollte man mehrere Monate für den Aufenthalt einplanen und nicht so viele Kontakte zu Deutschen knüpfen, damit man auch viel Englisch spricht.
Dann sollte man sich auf jeden Fall ein bisschen Geld zusammen sparen, um genügend Reisen zu können. In Australien gibt es so viel Interessantes zu sehen.
Außerdem sollte man darauf gefasst sein, dass diese Zeit das Leben völlig verändern kann. Plötzlich kann man sich vorstellen, am anderen Ende der Welt leben zu wollen.
Von Julia von der Heyden, Oktober 2007