Jobs in Australien - Arbeiten Down Under

Erfahrungsberichte/

Arbeiten in Australien: Das Ziel ist eine Anstellung als Krankenschwester bei den fliegenden Ärzten

Arbeit bei den Flying Doctors

1994/95 war Kati Hey zum ersten Mal für einen Schüleraustausch in Australien. Direkt nach dem Abitur machte sie dann einen Working-Holiday-Trip durch Down Under. Nachdem Kati dann sechs Monate in einem deutschen Altenpflegeheim gearbeitet hatte, reiste sie 1999 mit einem Studentenvisum erneut nach Australien. Heute lebt und arbeitet Kati in Down Under. Eine Rückkehr nach Deutschland ist nicht in Sicht!

Was hast du denn in Australien studiert?

Von 1999 bis 2001 habe ich an der ACU Sydney meinen Bachelor of Nursing gemacht.
Die Studienzeit war hart und als ich mich 2001 in einen deutschen Touristen verliebte, ging ich zurück nach Deutschland. Die Liebe hielt nicht lange, aber ich hatte einen guten Job in der Kinder-Anästhesie gefunden und so zog ich nach München. Dort lebte ich vier Jahre sehr glücklich, hatte nette Freunde, einen tollen Chef und ein gutes Sozialleben.

Dennoch bist du dann wieder nach Australien gegangen. Warum?

Die Sehnsucht nach meinen alten Freunden war groß. Und ich liebe dieses Land, das lockere Leben dort und das Meer. Außerdem wollte ich dort meinen Kindheitstraum verwirklichen. Ich wollte einmal für die fliegenden Ärzte arbeiten.
Also packte ich im September 2005 meine Sachen und machte mich erneut auf den Weg nach Australien; aber nicht ohne endlich mal Neuseeland den gebührenden Abstecher abzustatten. Mit Sack und Pack (meinem Mountainbike und meinem Snowboard) erkundete ich sechs Wochen lang das wunderschöne Neuseeland.

Und wie ging es dann weiter?

Als Krankenschwester in Australien

Von Neuseeland aus bewarb ich mich an der Universität, um ein Graduate Diploma in Midwifery zu beginnen.
Im Februar 2006 ging das Studium los und seit März diesen Jahres bin ich nun auch Hebamme.

Was machst du zum jetzigen Zeitpunkt beruflich in Down Under?

Zurzeit arbeite ich als Hebamme in Ipswich, in der Nähe von Brisbane. Wenn ich mehr Berufserfahrung als Hebamme habe, möchte ich ein Graduate Diploma in Emergency Medecine machen. Dann werde ich endlich die Qualifikationen haben, um mich als Flight Nurse beim Royal Flying Doctor Service bewerben zu können. Im Jahr 2000 habe ich bereits ein Praktikum bei der NSW Airambulance gemacht, was meinen Wunsch Flight Nurse zu werden, bestätigt hat.

Ich habe auch schon einen Kurs in Akupressur absolviert und momentan arbeite ich daran Lactation Consultant zu werden. Obwohl Hebamme eigentlich ein Schritt in Richtung meines Flight Nurse Traumes sein soll, genieße ich diese Arbeit sehr und könnte mir vorstellen, auch weiterhin als Hebamme zu arbeiten. Doch zunächst möchte ich meinen Traum erfüllen und für die fliegenden Ärzte arbeiten; auch wenn ich das dann nur ein oder zwei Jahre mache.

Was fasziniert dich an der Arbeit bei den fliegenden Ärzten?

Mein Praktikum hat mir gezeigt, dass die Arbeit bei den Flying Doctors mehr als ein bezahlter Job ist. Man kann dort wirklich etwas Besonderes leisten, denn man hilft Menschen, die sonst keine andere Möglichkeit haben. Diese Menschen leben oft hunderte von Kilometern von der nächsten Gesundheitsbetreuung entfernt. Die fliegenden Ärzte helfen in Notfällen oder machen Routine-Besuche auf unterschiedlichen Farmen. Das ist einfach eine besondere Aufgabe. Vielleicht lässt sich das auch nicht erklären; man kann das nur selber erleben.

Was hat dich nach deinem Austauschjahr so fasziniert, dass du nach dem Abitur gleich noch einmal nach Australien gegangen bist?

Leben und Arbeiten in Australien

Das ist leicht zu beantworten. In der Schule hatte ich coole Fächer wie Surfen, außerdem war das Wetter einfach genial und ich habe viele Freunde gefunden. Ich bin damals das erste Mal in meinem Leben ganz alleine quer durch den Kontinent gereist. Damals war ich in Tasmanien, Südaustralien, in Sydney, New South Wales und am Uluru - dort habe ich eine fünftägige Tour gemacht. Ich habe noch heute Kontakt mit einem Pärchen, das ich dabei kennenlernte. Ich habe mich sofort in das raue Outback, seine unendliche Weite und die Einsamkeit, verliebt. Ich sollte wohl besser sagen, ich liebe die Freiheit der Weite.

Meine späteren Reisen durch Europa reflektieren nur dieses Freiheitsbedürfnis. Ich habe mich nicht auf das Abklappern von Städten beschränkt, sondern habe die meisten Länder Europas zu Fuß und auf Langstreckenwanderungen durch die einsamsten Teile dieser Länder erkundet. Dabei habe ich Land und Leute immer sehr intensiv und unglaublich positiv erlebt. Ich habe sehr viele Freunde aus aller Welt auf diesen einsamen, freien Wanderungen getroffen. Bis heute steckt die Wanderlust in mir. In Australien bieten sich einige tolle Langstreckenwanderungen an. Wo auch immer es hingeht, begleitet mich heute meine treuste Freundin Lucy, meine Blue Heeler-Kelpie Hündin.

Was sagt denn deine Familie dazu, dass du deinen Lebens- und Arbeitsalltag nach Australien verlagert hast?

Einerseits ist es traurig, dass sie so weit weg sind, aber sie sehen wie glücklich ich hier bin und gönnen mir mein Glück. Ich vermisse sie auch, aber nächstes Jahr werde ich zu einer Konferenz nach Glasgow fliegen und danach sechs Wochen lang alle besuchen. Zum Glück gibt es ja heute das Internet und Skype. Es ist viel einfacher geworden zu kommunizieren. Heute rede ich eigentlich jede Woche mit meinen Eltern, Geschwistern und circa monatlich mit den besten Freunden. Das kostet oft weniger als ein Ferngespräch innerhalb Deutschlands.

Du hast ja sowohl in Deutschland als auch in Australien gearbeitet. Wie lassen sich die beiden Länder im Arbeitsalltag vergleichen?

Ich hatte unheimliches Glück in Deutschland, dass ich im privaten Bereich für einen unheimlich netten Anästhesisten und seine Frau arbeiten konnte. Das war fast schon eine Familie für mich. Meine Erfahrung in der Kinderanästhesie stellt sich für mich oft als hilfreich heraus. Leider ist das System in Deutschland für Krankenschwestern eher rückständig. Hier in Australien habe ich ein Bachelor-Studium absolviert: Jeder weitere Kurs, an dem ich teilnehme, bringt mich in meiner Karriere weiter. In Deutschland ist man nach der Ausbildung eben einfach Krankenschwester, man kann sich zwar spezialisieren, aber so richtig bringt das einen nicht weiter. Hier habe ich ja inzwischen ein Postgarduate Diploma und werde auch meinen Mastersabschluss noch machen.

Kati und ihr Hund Lucy in Australien

Auch im Beruf ist man in Down Under als Krankenschwester mehr angesehen und wird auch ganz anders gefordert. Wir arbeiten sehr viel unabhängiger als in Deutschland. Das liegt sicher zum Teil auch an der Struktur des Landes: Es gibt viele kleine Krankenhäuser, die nur von Krankenschwestern geleitet werden, die dann per Funk einen Arzt um Rat fragen können.
Hier gibt es auch die Möglichkeit Nurse Practitioner zu werden, damit kann man dann auch Rechtliches sowie die einfachen Hausarzt-Dinge selber übernehmen. Dadurch ist das Leben hier als Krankenschwester doch ein ganz anderes! Man fühlt sich immer gefordert und kann sich immer weiterbilden. Es ist auch Pflicht für uns, dass wir uns jährlich Fortbilden, Fachzeitschriften lesen und an Konferenzen teilnehmen.

Was macht für dich den Reiz aus, dass du lieber in Australien leben möchtest?

Mehr Zufriedenheit mit meiner Arbeit und mehr Geld, denn die Lebenshaltungskosten sind hier niedriger. Mein Lebensstandart ist insofern um einiges besser. Anstatt in einer 36 qm Wohnung lebe ich jetzt in einem 75 qm Haus mit zwei Veranden, einem großen Garten, in dem ich mein eigenes Gemüse anbaue. Ich habe hier einen Orangen-, Mango-, Avocado- und Maulbeerenbaum. Mein Traum ist es, ein großes Stück Land zu kaufen und dort alles selber anzubauen sowie eigene Hühner, Ziegen und Pferde zu halten. In Deutschland hätte ich allerdings ohne einen reichen Partner niemals die Möglichkeit dazu gehabt.

Könntest du dir überhaupt vorstellen, noch einmal in Deutschland zu leben?

In Deutschland leben? Ich weiß es nicht. Ich vermisse meine Familie. Manchmal träume ich davon, dass meine Schwester und meine Eltern hierher ziehen. Das ist sicherlich unwahrscheinlicher als meine Rückkehr. Ich vermisse es auch, einfach durch so viele Länder reisen zu können, aber hier und jetzt bin ich glücklich. Momentan ist mein Leben hier: Ich genieße das Outdoor-Leben in Australien und spare auf ein Stück Land. Pferde, Ziegen, meinen eigenen Biogarten. Das sind alles Dinge, die ich in Deutschland nicht hätte. Bereits jetzt habe ich so viel: Ein eigenes Haus, einen kleinen Biogarten, einige Obstbäume und meine liebe Lucy. Hier und jetzt fühle ich mich wohl. Was die Zukunft bringt? Wer weiß das schon. Ich werde meinem Herzen folgen.

Von Julia von der Heyden, November 2007



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