Jobs in Australien - Arbeiten Down Under

Erfahrungsberichte/

Arbeitsalltag in Hobart: Alle tragen Uniformen, aber Überstunden sind eine Seltenheit!

Henriette Müller-Schönau ist seit einem Monat in Hobart, Tasmanien. Für ungefähr zwei Jahre wird die gelernte Außenhandelskauffrau in Australien leben und arbeiten. Im Interview erzählt Henriette, wie ihr Arbeitsalltag in Hobart aussieht und warum sie sich vorstellen könnte, ihren Arbeitsvertrag in Down Under noch zu verlängern.

Du machst das, wovon viele Andere träumen: Du arbeitest und lebst in Australien. Wo genau arbeitest du denn?

Leben und Arbeiten in Tasmanien

Ich bin Executive Officer (International Communication, Strategy and Advice) bei einem Unternehmen, dass mit Düngemitteln handelt. Da es sich bei dem Unternehmen, um ein Joint-Venture (Gemeinschaftsunternehmen) handelt, müssen die beiden Anteilseigener regelmäßig über die Vorgänge hier informiert werden. Das Joint-Venture wurde vor etwas mehr als einem Jahr gegründet.
Bei den beiden Anteilseignern handelt es sich um eine in der Schweiz ansässige Firma, die international vertreten ist, und um eine hier ansässige Firma, die selber Düngemittel produziert.

Und was ist deine Aufgabe in diesem Unternehmen?

Ich soll die Kommunikation zwischen den drei Beteiligten verbessern, was manchmal auf Grund der großen räumlichen Distanz nicht ganz einfach ist. Ansonsten soll ich noch Möglichkeiten aufzeigen, in denen wir uns mit Hilfe von einem der beiden (oder beiden) Anteilseignern verbessern können, um beispielsweise neue Märkte zu erschließen. Ich helfe beim Einkauf und bei der Verschiffung des Düngers, außerdem bin ich so etwas wie die Assistentin des Geschäftsführers. Ich versuche ihm manche Arbeit abzunehmen, z.B. die Erstellung von Listen über die wöchentlichen/ monatlichen Verkaufszahlen.

Wie kam es dazu, dass du deinen Arbeits- und Lebensalltag nach Australien verlagert hast?

Ich bin jetzt seit einem Monat ungefähr hier. Ich habe vorher aber bei der Hamburger Niederlassung der Schweizer Firma eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau gemacht (Schwerpunkt Außenhandel). Die Ausbildung habe ich nach zwei Jahren im Juni beendet und das Unternehmen wollte mich gerne übernehmen und hat mir einen Job hier in Australien angeboten.
Ich wäre allein wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, nach Australien zu gehen. Nachdem mir dort aber der Job angeboten wurde, dachte ich mir, das wäre eine tolle Chance, ein ganz neues Land kennenzulernen und gleichzeitig einen interessanten Job zu haben!

Vor allem habe ich so die Möglichkeit Australien und Tasmanien nicht nur als Tourist kennenzulernen, sondern auch den Easy-Going-Lebenstil der Australier zu erleben.
Auch wenn ich noch nicht so besonders lange hier bin, fühle ich mich doch sehr wohl. Die Leute sind nett, super hilfsbereit und einfach viel offener als so manch Deutscher.

Wie haben deine Familie und Freunde darauf reagiert, dass du zukünftig am anderen ende der Welt arbeiten wirst?

Als ich das Jobangebot bekommen habe, war die erste Reaktion meiner Mutter: Oh mein Gott, nicht, dass du dann da unten bleibst und heiratest! Das habe ich auch ehrlich gesagt nicht geplant!
Obwohl es ja sehr weit weg ist, haben sich meine Eltern wahnsinnig für mich gefreut. Besonders eine meiner Schwestern fand das Angebot super, da sie von September 07 bis April 08 bei einer australischen Familie lebt und ein Praktikum auf dem Festland macht. So haben wir wenigstens uns, auch wenn wir circa sechs Stunden reisen müssen, um uns mal zu besuchen! Meine anderen Geschwister fanden es super und haben alle schon geplant, wann sie mich mal besuchen kommen. Mein kleiner Bruder (11) war natürlich besonders von den vielen gefährlichen und tödlichen Tieren in Australien fasziniert.

Viele meiner Freunde haben mir gesagt, dass das eine super Chance ist, die sie auch sofort wahrnehmen würden. Anscheinend ist Australien wirklich das Traumland vieler Leute. Ich habe eigentlich von niemandem gehört, dass ich das nicht machen soll. Ich bekam nur Zustimmungen.
Zum Glück gibt es ja E-Mail und günstige Telefonvorwahlen, so dass ich trotz der Entfernung engen Kontakt zu vielen Freunden habe. Viele Freunde von mir waren in der elften Klasse oder während des Studiums in Australien. Die haben mir dann alle vorgeschwärmt, was für ein tolles Land Australien ist.

Leben und Arbeiten in Australien

Ziemliche viele wussten natürlich auch erst mal nicht, wo genau Tasmanien liegt. Einige dachten ich meine Tansania und gehe nach Afrika, andere dachten ich würde nach Neuseeland gehen. Einige wussten, dass es den Tasmanischen Teufel gibt und andere wussten, dass Mary Donaldson (Prinzessin von Dänemark) aus Hobart (Tasmanien) kommt.
Ab und zu bekam ich dann E-Mails von Freunden, die mir Sachen zuschickten, die sie über Tasmanien im Internet gefunden hatten (Zeitungsberichte, Kochrezepte oder Dokumentationen).
Alles was meine Freunde gesagt haben, ist, dass ich nach den zwei Jahren bloß wieder zurück kommen soll, sonst müssten sie hier runter kommen und mich nach Deutschland zurückholen!

Steht es denn schon fest, wie lange du dort arbeiten wirst? Ist die Stelle befristet?

Ich habe erst einmal einen Vertrag für mindestens zwei Jahre bekommen. Meine deutsche Firma wollte mich nicht mit einem Vier-Jahresvertrag abschrecken. Der Zwei-Jahresvertrag kann aber gern verlängert werden. Je länger man hier bleibt, umso schwieriger wird es dann aber wahrscheinlich, nach Deutschland zurück zu gehen. Man gewöhnt sich schnell an das schöne Leben hier.

Wie hast du dich auf diesen längeren Aufenthalt vorbereitet?

Ich habe so ungefähr jedes Buch gelesen, was es über Australien gibt: Bücher über Kulturschocks, über Auswanderung oder auch Romane, die in Australien spielen.
Zum Glück hatte ich bei dem Visum ein bisschen Hilfe von der Personalabteilung meiner australischen Firma. Um mein Sponsorship-Visum zu bekommen, musste ich einige Dokumente vorweisen, die erst noch übersetzt werden mussten. Und ich musste zum Arzt, um ein Brustkorb-Röntgen machen zu lassen, damit nachgewiesen werden kann, dass ich keine Tuberkulose habe. Damit ich mein Visum beantragen konnte, musste sich meine Firma erst einmal dafür qualifizieren, dass sie Arbeitnehmer aus dem Ausland anstellen darf. Erst danach konnte ich meinen Visumsantrag einreichen.
Auf Grund von irgendwelchen Verspätungen in Canberra habe ich mein Visum leider nicht pünktlich vor dem Abflug bekommen, so dass ich erst einmal als Tourist einreisen musste. Zum Glück kam dann aber zwei Tage später der Bescheid, dass mein Arbeitsvisum bewilligt wurde.

Die ersten paar Tage hat meine Firma mich in einem möblierten Apartment untergebracht, damit ich mir in Ruhe selber eine Unterkunft suchen konnte. Über das Internet habe ich dann ein paar Wohnungen gefunden, die ich mir angucken wollte. Viele Angebote waren kleine Häuser, die aber meist schlecht isoliert waren und selten eine Heizung hatten. Wenn man den Australiern erzählt, dass in Deutschland fast jedes Haus Zentralheizung hat, dann gucken sie einen komisch an.
Mittlerweile habe ich eine schöne Wohnung gefunden, von der aus man sogar auf das Meer blicken kann.

Wie sieht dein Arbeitsalltag in Australien aus?

Ich fange morgens um 8:30 Uhr an zu arbeiten. Ich habe mein eigenes kleines Büro, was ganz angenehm ist. Erst einmal checke ich die E-Mails, die während der Nacht angekommen sind und beantworte diese dann weitestgehend. Mit meinem Chef gehe ich dann die Sachen durch, die gemacht werden müssen.
Ich stehe in regelmäßigem Kontakt mit den Regional Business Managern, die für uns auf dem Festland tätig sind und sich dort um unsere Kunden kümmern.
Spät nachmittags fängt dann mein altes Büro in Hamburg mit der Arbeit an, so dass ich dann die Chance habe, wichtige Angelegenheiten mit denen zu klären. Auf Grund der Zeitverschiebung gibt es da natürlich immer ein paar Verspätungen in der E-Mail Kommunikation. Daran gewöhnt man sich aber. Man muss das eben bloß einkalkulieren.

Im Büro haben wir regelmäßig Meetings für die verschiedenen Abteilungen, die ich mit organisiere und für die ich später dann auch die Berichte schreibe.
Am Ende der Woche erstelle ich dann noch eine Liste, die zeigt wie viel wir verkauft haben und wie viel die kommende Woche verkauft werden soll.
Im Büro muss ich Uniform tragen - was in Australien ziemlich üblich ist. Alle tragen das gleiche, ob Arbeiter oder Chef. Für die Australier ist das völlig normal und es macht einem selber das Leben etwas einfacher, da man nicht morgens überlegen muss, was man anzieht! Hier wird es eben nicht gern gesehen, wenn man sich durch Kleidung in den Vordergrund drängt.

Es gibt also einige Unterschiede zwischen Deutschland und Australien. Wie würdest du die Arbeitsphilosophie der Aussis beschreiben?

Kängurus in Australien

Die Australier sind ja als sehr relaxed und laid-back bekannt. Überstunden werden hier nicht so viele wie in Deutschland gemacht. Das ist für mich manchmal noch etwas ungewohnt, da ich es gewohnt war immer etwas länger im Büro zu bleiben.
Das Arbeitsklima ist zwar recht locker, aber auch konzentriert und es wird darauf geachtet, dass alle die Arbeit schaffen, die sie machen sollten. Meine Vermutung ist, dass die Australier einfach nicht ganz so zielstrebig sind wie die Deutschen, sondern einfach das Leben mehr geniessen. Sie sind nicht unbedingt auf die große Karriere aus. Dadurch gibt es viel weniger Ellenbogen-Geschubse und eigentlich auch keinen Neid zwischen Kollegen. Diese Atmosphäre empfinde ich als sehr angenehm; jeder weiß, dass er seinen Teil zum Funktionieren der Firma beiträgt und respektiert die Arbeit des Anderen.

Viele Firmen haben sogar eigene Sportteams, so dass sich die Mitarbeiter einmal pro Woche abends treffen und gemeinsam trainieren. Das fördert natürlich auch das gute Arbeitsklima, da sich die Kollegen auch einfach mal außerhalb des Büros treffen.
Am Ende der Woche setzen sich einige von meinen Kollegen nach der Arbeit zusammen und trinken ein Glas Wein oder Bier. Dabei wird dann nicht nur über die Arbeit, sondern auch einfach über aktuelle Themen oder die Pläne für das Wochenende gesprochen.

Wie verhält es sich denn mit den Lebenshaltungskosten in Australien?

Die Lebenshaltungskosten sind in Australiern niedriger als in Deutschland. Das Einzige, das wirklich teuer ist, sind die Wohnungen. Aber wenn man außerhalb der Stadt sucht, geht das auch.
Im Supermarkt sind die Sachen aber eher günstiger als in Deutschland, vor allen Dingen Fleisch. Momentan ist Obst und Gemüse teurer als sonst, da Australien unter einer großen Dürre leidet.
Alkohol ist im Bottleshop (man kann Alkohol nicht im Supermarkt kaufen) teurer als in Deutschland. Wenn man ausgeht, sind die Preise aber ähnlich.

Was unternimmst du in deiner Freizeit? Reist du viel durch Australien?

Ich versuche mir in meiner freien Zeit möglichst viel von Tasmanien und Australien anzugucken. Deshalb mach ich am Wochenende oft Tagesausflüge mit Freunden. Da Tasmanien nicht so groß ist, geht das eigentlich immer relativ gut. Viele Teile Tasmaniens sind Nationalparks und etwa ein Drittel der Insel gehört zum UNESCO Weltnaturerbe. Am Wochenende gibt es in Hobart den Salamanca Market, auf dem man von Souvenirs über tasmanische Lebensmittel bis hin zu Klamotten und Antiquitäten alles bekommt.

Was hast du schon alles von Australien gesehen? Was hat dich besonders beeindruckt?

Am meisten beeindruckt hat mich ein Ausflug nach Maria Island. Ein Freund einer Freundin hat uns mit einem kleinen Flugzeug dort hingeflogen. Die Insel ist ein Nationalpark und man begegnet kaum anderen Menschen. Auf dem Flug dorthin hatte ich eine tolle Aussicht auf die tasmanische Küste und türkisblaues Wasser! Auf Maria Island hab ich dann auch endlich mal ein paar australische Tiere gesehen: Kängurus, Wombats, Cape Barren Geese und sogar eine Schlange.

In Tasmanien habe ich mir gleich an meinem ersten Wochenende Port Arthur angeschaut, eine alte Gefängnisstadt, die damals sehr gefürchtet war, weil man kaum Chancen hatte zu fliehen. Von der Stadt sind einige Häuser noch sehr gut erhalten, andere nur noch Ruinen. Der Ausflug war aber super schön. Ich kann jedem nur empfehlen, sich diese Stadt anzugucken.
Dann bin ich einmal auf den Mount Wellington hochgefahren. Das ist der Berg, an dessen Fuß Hobart liegt. Von da oben hatte man eine super Sicht. Nur leider war es richtig kalt; es lag sogar etwas Schnee!

Demnächst werde ich zum Freycinet Nationalpark hochfahren, dort gibt es die Wineglass Bay - Eine Bucht, die wie ein Weinglas geformt ist (mit blauem Wasser und weißem Sand). Leider ist der Weg dahin nicht ganz einfach: Wir müssen einige Stunden wandern; es soll sich aber lohnen!

Letztes Wochenende habe ich mich mit meiner Schwester in Melbourne getroffen und durfte dann am Dienstag mit meinem Chef zum Melbourne Cup, dem grossen Australischen Pferderennen, bei dem das Land für ein paar Minuten stillsteht! Ende des Monats werde ich nach Sydney fliegen, ich bekomm also zum Glück auch wirklich was vom Land zu sehen.

Vermisst du etwas in Australien, deine Familie und Freunde einmal ausgenommen?

Nicht wirklich! Die Australier sind freundlich und der Service ist insgesamt besser. Hobart gilt als eine Stadt mit sehr hoher Lebensqualität. Hier fängt gerade der Frühling an, so dass ich das deutsche Wetter nicht vermisse. Das kommt dann wahrscheinlich erst in der Weihnachtszeit, wenn es hier heiß ist und kein Schnee liegt!
Ich vermisse nur manchmal das deutsche Essen; die Australier frittieren fast alles!

Wirst du über Weihnachten nach Deutschland fliegen und deine Familie besuchen?

Leben und Arbeiten in Tasmanien

Ich fliege über Weihnachten leider nicht nach Hause. Es war ursprünglich so geplant, aber da ich zu dem Zeitpunkt dann erst etwa drei Monate hier bin, würde es schwierig sein, sich nach den Feiertagen wieder von allen zu verabschieden.
Da meine Schwester zu Weihnachten auch hier bleibt, werden wir zusammen in Melbourne feiern und dann über Silvester hier in Hobart sein, da dann die Boote der Sydney - Hobart Race hier ankommen! Das soll ein großes Spektakel sein.

Ein anderer Punkt, weshalb ich nicht nach Hause fliege ist, dass dann hier Sommer ist und es in Deutschland kalt und nass ist. Deshalb habe ich meinen Flug umgebucht und komme lieber im deutschen Sommer, wenn es dann hier kalt und nass ist!
Ich denke, es ist auch eine Erfahrung, Weihachten ohne Schnee zu verbringen. Silvester können wir dann draußen stehen und uns das Feuerwerk angucken, ohne dass wir frieren.

Es ist zwar schwierig zum jetzigen Zeitpunkt eine Prognose abzugeben, aber könntest du dir vorstellen, deinen Vertrag in Australien zu verlängern und vielleicht für immer dort zu bleiben?

Um ehrlich zu sein: Ja, das könnte ich. Ich weiß zwar nicht, wie es in zwei Jahren aussieht, aber ich fühle mich hier wirklich wohl und habe zum Glück auch kein Heimweh. Es ist natürlich schon schade zu wissen, dass meine Freunde sich in Deutschland treffen und ich am anderen Ende der Welt bin, aber ich denke so eine Chance bekommt man nicht ein zweites Mal.

Wenn ich verlängern würde, müsste ich nur aufpassen, dass ich irgendwann auch wieder den Absprung finde und mich nicht zu sehr von Deutschland entferne. Die Lebensart ist eben doch anders, es wird wahrscheinlich besonders schwer sein, mich wieder an die Bürokratie und die Arbeitsweise in Deutschland zu gewöhnen!
Es könnte aber auch sein, dass ich ganz woanders hinversetzt werde, mal sehen, was kommt!

Danke für dieses ausführliche und informative Gespräch!

Von Julia von der Heyden, Oktober 2007



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